M.A.U. Club Artikel

Der M.A.U. Club hat eine lange Tradition in Rostock. Aus dem Tanzlokal in der Blücherstraße entwickelte sich ein alternativer Veranstaltungsort für ein breites Szene-Publikum. Das Haus wurde in Trägerschaft der Stadt geführt. 1994 musst das Gebäude aufgrund vieler Baumängel geschlossen und an den Eigentümer zurückgegeben werden. Der Verein M.A.U. e.V. bezog eine kleine Ba­racke am Stadthafen. Diese diente als Treffpunkt und Sitzungsraum, um das Vereinsleben aufrecht zu erhalten. Mit Hilfe der Stadt wurde nach Lösungen gesucht. 1996 zogen die M.A.U.-Aktivisten in Kooperation mit dem Kulturnetzwerk e.V. in die eigens zum Konzerthaus umgebaute Halle 603 im Stadthafen. Eineinhalb Jahre später wurde der Verein Zabrik e.V., welcher heute das Haus betreibt, gegründet.

Zabrik e.V.// § 3 Vereinszweck

Der Verein bezweckt die Förderung von Kunst und Kultur, insbesondere die Förderung kultureller Projekte und Vorhaben, die den Bereich Jugendkultur und Soziokultur betreffen. Ein weiterer Schwerpunk, neben dem offenen Jugendkulturangebot, stellt das kulturelle Veranstaltungsangebot dar. Dies soll insbesondere durch Unterstützung und Förderung sowie Betrieb des Gebäudes 603 im Stadthafen erreicht werden.
Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke […].
Der Verein ist politisch und konfessionell neutral.
Der Verein ist selbstlos tätig und verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Interessen.

Der Verein hat sich zum Leitbild gemacht, in Rostock die jugend- und soziokulturelle Vielfalt mit einem klaren Livemusikbezug zu fördern. Um dies zu erreichen, wurde hierfür die so genannte Projektwerkstatt angegliedert. Dieses Modell wird von der Hansestadt Rostock, dem Amt für Kultur, Denkmalpflege und Museen gefördert.

Regelmäßig treffen sich die Vereinsmitglieder mit dem Vorstand und den Leuten aus dem „Tagesgeschäft“ – also der Geschäftsführung und dem Booker – um ihre Ideen und Projekte zu besprechen, zu planen und umzusetzen.

In der Halle 603 finden nicht nur Konzerte und kulturelle Veranstaltungen statt. Der Verein offeriert in der kreativen Schmiede – Projektwerkstatt genannt – verschiedene Kurse und Angebote, wie z.B. den DJ/Synthesizer-Workshop, den Tonstudiobetrieb, den Instrumental/PC-Workshop oder die Bandprojekte. Auch andere Projekte werden vom Verein in ihrer Arbeit unterstützt, beispielsweise durch Man-Power, Equipment und vieles mehr. Dazu kommt der internationale Künstleraustausch, der jungen Menschen die Möglichkeit gibt, gemeinsam interkulturelle Erfahrungen zu sammeln.

Nicht zu den Aufgaben des Zabrik e.V. gehört das Betreiben der Gastronomie. Diese Aktivitäten im Geschäftsbetrieb würden die Gemeinnützigkeit und damit die Förderfähigkeit des Vereins gefährden. Die Variante der Vermietung und Verpachtung der Gastronomie wurde bewusst gewählt: Die Einnahmen daraus unterstützen die kulturelle Arbeit. Diese Struktur hat sich auch bei anderen öffentlich geförderten Kultureinrichtungen, z.B. der Compagnie de Comédie oder dem Volkstheater Rostock, bewährt. Der Zabrik e.V. gewinnt hierdurch jährlich Einnahmen zwischen 50.000 € und 70.000 €.

Der Bedarf des Rostocker Publikums nach größeren Konzerten konnte vom Haus und dem Verein in der bestehenden Form nicht gedeckt werden. Das führte zu der gemeinsamen Entscheidung des Zabrik e.V. und des M.A.U.-Gastronomen als gemeinsame Gesellschafter im Jahre 2003 die MAU Produktionsgesell­schaft mbH zu gründen. Ganz bewusst wurde ein ehrenamtlicher Geschäftsführer bestellt.

Die MAU Produktionsgesell­schaft mbH entstand einzig aus dem Grund, das Risiko größerer Konzertproduktionen aufzufangen. Die Gesellschaft zielt darauf ab, zwei bis drei Konzerte im Jahr durch­zuführen, die eines größeren Rahmens bedürfen, als das M.A.U. es bieten kann – um z.B. im August die Live-Bühne zur Rostocker Hanse Sail, welche jährlich circa 15.000 € kostet, mit zu refinanzieren. Diese GmbH kann das Risiko eines etwaigen Verlustgeschäftes so tragen, wie kein Verein es kann oder darf. Sie erwirtschaftet keinen Gewinn. Die Jahresabschlüsse sind trans­parent im Bundesanzeiger einsehbar.

Die Einnahmen des Zabrik e.V. bestehen aus städtischer Kulturförderung, Eintrittseinnahmen, der Pacht für die Gastronomie und Vermietungen für Veranstaltungen. In der Anfangszeit bezog der Verein eine Förderung von Stadt und Land (Kultus MV), die sich auf eine jährliche Höhe von ca. 200.000 € summierte. Zum unserem Bedauern zog sich das Land 2010 endgültig aus der För­derung zurück. Der Verein versuchte dieses Defizit aufzufangen. Bei einer städtischen Förderung von 144.000 € im Jahr bleiben nach Abzug von Miete und Be­triebskosten (115.000 €/Jahr) gerade einmal circa 2.400 € pro Monat, um Gehälter, Auszubildende und inhaltliche Arbeit zu finanzieren. Miete und Betriebskosten fließen an den Vermieter – die Stadt, den Eigenbetrieb Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung der Han­sestadt Rostock (KOE) – zurück. Wir mussten am Ende des Jahres 2013 feststellen, dass wir die Kosten nicht allein auffangen können.

Mit dem Amt für Kultur haben wir 2013 notwendige Maßnahmen besprochen, um die Zukunft des Zabrik e.V./M.A.U. Club zu sichern. Im Zuge dessen wurden im Früh­jahr 2014 Satzung, Vorstand, Mitgliederversamm­lung, Konzept sowie Außendarstellung umstrukturiert bzw. neu aufgestellt. Dankenswerterweise konnte 2013 die Förderung der Stadt um 35.000 € erhöht werden. Uns fehlen allerdings nach wie vor vernünftige Sanitär­anlagen, eine neuen Anforderungen entsprechende technische Ausstattung und eine akzeptable Miete.

Um unserer Rolle im Kulturbetrieb der Stadt gerecht zu werden und weiter Akzente im Bereich der Jugend- und Soziokultur setzen zu können, möchten wir kulturinteressierten jungen Menschen weiterhin gute Rahmenbedingungen bieten. Dazu gehört das Aufgreifen aktueller gesellschaftlicher Themen, die auf unterschiedlichste Weise in Projekten und Workshops kennengelernt und erprobt werden können. Durch dieses Angebot werden Austausch und Integration gefördert. Seit über zehn Jahren engagiert sich der Verein freiwillig im Bereich der Jugendarbeit (Wiedereingliederungsmaßnahmen, Berufsausbildung und auch Sport).

Im Veranstaltungsbetrieb des Hauses stehen die alternativen, nicht-kommerziellen Kulturan­gebote im Vordergrund. Es ging und geht uns stets um die Präsentation von Inhalten, nicht um Kommerz. Der Eigenanteil (ca. 300.000 €) entspricht zu etwa zwei Dritteln der Gesamtfinanzierung (ca. 445.000 €) und wird ge­mäß dem Vereinszweck (Förderung der Kultur und Jugendkultur) mit Konzertproduktionen erwirtschaftet. Es ist unser erklärtes Ziel Veranstaltungen zu einem bezahlbaren Preis anzubieten. Zudem ist es unser Anliegen, Projektteilnehmern wie DJs oder jungen Bands ein Forum zur Verfü­gung zu stellen, ihre Kunst einem Live-Publikum zu präsentieren: Einer der Bausteine diesbezüglich ist die Verbindung von etablierten Künstlern mit dem lokalen und regionalen Nach­wuchs.

Der M.A.U. Club ist eine bekannte Adresse – in Rostock, Mecklenburg-Vorpommern und darüber hinaus. Er steht für ein kulturell offenes, tolerantes und urbanes Rostock und wirft ein positives Licht auf die Hansestadt. Mitte der 90er Jahre war das M.A.U. ein wichtiger Imagefaktor für eine offene und soziale Stadt, ein anderes Rostock. Das M.A.U. wurde zu einem der besten 100 Liveclubs Deutschlands durch ein bundesweit erscheinendes Musikmagazin gekürt. Im Jahr 2013 wurde er als einer der drei besten deutschen Clubs für den Live Entertainment Award nominiert. Eine Petition zur aktuellen Lage des Vereins zeigt statistisch die Unter­stützung aus ganz Deutschland: Der M.A.U. Club erhielt Unterstützung aus allen sechzehn Bundesländern: 6178 (100%); Mecklenburg-Vorpommern ohne Rostock: 1824 (29,5%); Hansestadt Rostock: 1842 (29,8%); Bundesgebiet ohne Mecklenburg-Vorpommern: 2512 (40,7%).

Zum Selbstverständnis des Zabrik e.V./M.A.U. Club gehört neben der soziokulturellen Arbeit eine klare Positionierung gegen Extremismus, Rassismus, Faschismus und Sexismus. Um dieses Konzept umsetzen zu können, bedarf es eines hohen finanziellen und strukturellen Aufwands. Wir setzen alles daran, auch in Zukunft unseren Ansprüchen und denen unseres Publikums gerecht zu werden.

Zabrik e.V.

//Dieser Artikel wird in der nächsten Ausgabe des Stadtgespräche-Magazins veröffentlicht:

stadtgespraeche-rostock.de